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Landwirtschaft
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Singer: Tierwohl stärken, Tierhalter fair absichern – „Eat European“

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Straßburg, 07.07.2026 Zur EU-Nutztierstrategie erklärt Christine Singer, Mitglied im Agrarausschuss des Europäischen Parlaments:

„Es ist richtig und wichtig, dass die EU die Nutztierhaltung als strategisch wichtigen Teil von Ernährungssicherheit, ländlichen Räumen und regionaler Wertschöpfung anerkennt. Jetzt müssen aus Worten verbindliche Rahmenbedingungen werden. Wer Tierwohl weiterentwickeln will, muss die Betriebe mitnehmen.“

Eine praxistaugliche Strategie muss die Vielfalt der europäischen Landwirtschaft berücksichtigen, so Singer. Gerade in Bayern sei die Tierhaltung eng mit Grünland, Almen, Weidehaltung, Kulturlandschaft und Biodiversität verbunden. Regionale und grünlandgebundene Systeme müssten künftig gezielt gestärkt werden.

„Grünland, Weiden und Almen prägen unsere Kulturlandschaft. Damit sie erhalten bleiben, braucht es Tierhaltung. Sie schafft regionale Wertschöpfung und hält ländliche Räume lebendig“, so Singer.

Ein zentraler Punkt ist für die Abgeordnete die Finanzierung höherer Tierwohl- und Nachhaltigkeitsstandards. Die Kommission beziffert die Finanzierungslücke im Tierhaltungssektor selbst auf über 18 Milliarden Euro. Für Singer ist klar: Höhere Standards brauchen angemessene Preise, verlässliche Förderung, beständige Wertschöpfungsketten und klare Marktregeln.

„Tierwohl darf nicht zur Aufgabe der Landwirte allein gemacht werden. Wer höhere Standards beschließt, muss auch sagen, wer die Mehrkosten dafür trägt. Es braucht hier faire Marktbedingungen statt zusätzlicher Belastungen für unsere Betriebe.“

Grundsätzlich unterstützt Singer die Weiterentwicklung des Tierschutzes. Wenn es wissenschaftlich fundierte, praxistaugliche und tierfreundlichere Alternativen gebe, sei eine Weiterentwicklung richtig. Das gelte auch für den geplanten EU-weiten Ausstieg aus der Käfighaltung für Geflügel. Deutschland sei bei Legehennen bereits seit Jahren einen eigenen Weg gegangen: Die konventionelle Käfighaltung wurde bereits 2010 verboten, die Kleingruppenhaltung ist in Deutschland seit Anfang 2026 grundsätzlich nicht mehr zulässig.

„Aber: Ein europäischer Käfigausstieg muss auch bedeuten, dass Produkte aus Käfighaltung über Importe oder verarbeitete Lebensmittel aus Drittländern nicht weiter auf unseren Tellern landen.“

Singer fordert deshalb klare Regeln für Importe und mehr Transparenz auch bei verarbeiteten Lebensmitteln. Herkunft und Haltungsform dürften nicht an der Ladentheke enden. Auch bei Fertigprodukten, Backwaren oder Nudeln und in der Außer-Haus-Verpflegung müssten Verbraucherinnen und Verbraucher nachvollziehen können, woher tierische Bestandteile stammen und unter welchen Standards sie erzeugt wurden.

„Wenn Europa hohe Standards setzt, muss Europa seine Lebensmittel auch selbstbewusst stärken. Aus ‚Buy European‘ muss auch ein ‚Eat European‘ werden: Verbraucherinnen und Verbraucher müssen erkennen können, woher Lebensmittel stammen und unter welchen Standards sie erzeugt wurden.“

Aus Sicht Singers muss die Nutztierstrategie zudem eng mit der europäischen Eiweißstrategie verbunden werden. Wer Tierhaltung nachhaltiger und krisenfester machen wolle, müsse auch heimische Eiweißpflanzen, regionale Futtermittel, Grünlandnutzung und die sinnvolle Verwertung von Nebenprodukten stärken. Das verringere Importabhängigkeiten und stärke regionale Kreisläufe.

Auch neue Emissionsbewertungen müssten wissenschaftlich fundiert, systemgerecht und praxistauglich sein. Sie dürften nicht zu zusätzlicher Bürokratie führen und grünlandgebundene Tierhaltung nicht einseitig auf Methanwerte reduzieren.

Auch bei der Tiergesundheit sieht Singer Handlungsbedarf. Europa brauche eine stärkere Impfstrategie, die Tierbestände schützt und zugleich Marktzugänge sichert.

„Impfungen im Tiergesundheitsbereich sind wichtig. Sie können helfen, Tierbestände zu schützen, Tötungen gesunder Tiere zu vermeiden und Betriebe handlungsfähig zu halten. Entscheidend ist, dass geimpfte Tiere und Erzeugnisse aus geimpften Beständen nicht vom Markt ausgeschlossen werden. Tiergesundheitsschutz und Marktzugang müssen zusammengedacht werden.“

Singer betont:

„Für mich steht fest: Gute Politik misst sich nicht an Absichtserklärungen, sondern an der Umsetzung. Tierwohl, Herkunftstransparenz, faire Importstandards, Marktvergütung und praxistaugliche Regeln gehören zusammen.“


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