FREIE WÄHLER: Wirtschaftliches Erbe der Treuhandanstalt nachhaltig überwinden

Birkner: Eigenverantwortung stärken – bürokratische Hürden abbauen

Cornelia Birkner, Kandidatin zur Europawahl Listenplatz 5

Heute vor 29 Jahren wurde mit der Anstalt zur treuhänderischen Verwaltung des Volkseigentums die Vorgängerin der bundesdeutschen Treuhandanstalt gegründet. Die Gründung erfolgte mit dem Ziel, die bisherigen volkseigenen Betriebe zu privatisieren und sie in das neue gesellschaftliche Gefüge zu überführen. Die Erlöse der Verkäufe sollten als Investitionen den Ländern zur Verfügung stehen. Viele Regionen haben auch heute noch mit den Spätfolgen des damaligen unkoordinierten Umbruchs zu kämpfen. Die vorgestellten Strategiepapiere der großen Koalition greifen bei der Entwicklung jedoch zu kurz und schaffen kein nachhaltiges Wirtschaftswachstum vor Ort.

Cornelia Birkner, Europakandidatin der FREIEN WÄHLER aus Sachsen-Anhalt: „Als 1989 die Mauer fiel, war privat die Freude ganz groß, Vielfalt im Konsum, Reisefreiheit, ein Gefühl der unbegrenzten Möglichkeiten, wirtschaftlich kam Anfang 1990 jedoch die Ernüchterung. Die mir vertraute heutige Region Bitterfeld – Wolfen geriet aus dem Gleichgewicht. Mit dem Zerfall des Chemiekombinates Bitterfeld, der Farbenfabrik und dem Fotochemischen Kombinat schrumpfte die Stadt Wolfen von über 44.000 Einwohner (1990) auf nur noch 18.000 Einwohner im Jahr 2013. Dieser Rückgang hing unmittelbar mit der Teilung der am Standort Wolfen ansässigen Filmfabrik Wolfen AG (ORWO) zusammen, welche 1990 ca. 15.000 gut ausgebildete Facharbeiter beschäftigte. Durch Teilung in eine GmbH und eine Vermögensverwaltung AG sahen die Beschäftigten ihren Arbeitsplatz in Gefahr und zogen aus der Region in Richtung AGFA- Werke. Dieser Umbruch im Leben der Menschen in den heutigen fünf neuen Bundesländern lässt sich noch jetzt in den Erwerbsbiografien vieler Menschen sehen. Die Wanderungsbewegungen haben viele Landstriche einer Generation von Nachwuchskräften beraubt, ohne welche eine Wiederbelebung und Stärkung der Region nur schwer möglich ist.“

 

Einer Studie der Prognos AG aus 2018 (Deutschland Report) nach droht der Aufholprozess in Ostdeutschland abzubrechen. Die Wirtschaftskraft könnte bis 2045 auf zwei Drittel der Westleistung absinkt und läge damit wieder auf dem Niveau zur Jahrtausendwende. Auch hier wird als Hauptgrund der Bevölkerungsschwund gesehen.

„Wir dürfen in der momentanen Situation nicht in unseren Anstrengungen nachlassen. So sind aus der damaligen Filmfabrik Wolfen AG zwei Firmen hervorgegangen, die ORWO Net GmbH und die FilmoTec GmbH, welche heute erneut führend in Ihrem Geschäftsgebiet sind. Diese und weitere ehemalige Bestandteile der Filmfabrik legen die Basis für den innovativen und zukunftsorientierten Chemiepark Bitterfeld – Wolfen, deren Geschäftsführer und Eigentümer größtenteils aus der Region stammen und mit vielen anderen Firmen in der Region vertrauensvoll zusammenarbeiten. Die in der Prognos Studie angesprochenen Probleme machen sich schon heute bremsend bemerkbar. Die aktuellen Herausforderungen bestehen neben den strukturellen Defiziten besonders in darin qualifizierte Arbeitskräfte und Auszubildende zu finden. Hierbei helfen Neuansiedlungen von Behörden und Ministerien nur wenig. Gerade für die Forschungsförderung brauchen wir einen Abbau von regulatorischen Vorgaben und ein klares Bekenntnis zur Förderung von Schlüsseltechnologien“, so Birkner weiter.