EUROPAABGEORDNETER: MARODER MEILER IN TIHANGE IST INAKZEPTABLE FAHRLÄSSIGKEIT!

Nach Schreiben an Ministerin und Kommissar: FREIE WÄHLER wiederholen Forderung nach sofortiger Abschaltung / EU und Bundesregierung sollen handeln: „Kopf-im-Sand-Politik der belgischen Regierung“ / „Angst vorm Black-out darf nicht Tor zum Super-GAU sein"

Will Klartext zu Tihange im Europaparlament – und ein sofortiges Abschalten des bröckelnden Reaktors: Arne Gericke, Europaabgeordneter der FREIEN WÄHLER

BRÜSSEL. Bereits vor Wochen hatte sich Arne Gericke, Europaabgeordneter der FREIEN WÄHLER und Vollmitglied im Umweltausschuss des Europaparlaments gemeinsam mit Stephan Wefelscheid und Christa Hudyma, Landesvorsitzende der benachbarten Bundesländer Rheinland-Pfalz und NRW, an EU-Energiekommissar Arias Cañete gewandt. Ihre Forderung: „Schalten Sie die tickende Zeitbombe Tihange ab!“ Antwort gab es darauf bislang keine – dafür aber neue Horrormeldungen aus Belgien: Die „Vorläuferereignisse einer möglichen Katastrophe“ häuften sich, 45 Millionen Jodtabletten wurden bestellt. Gericke macht das wütend: „Das wirkt auf mich wie grob fahrlässiges Verhalten! Jodtabletten, Beschwichtigungen und eine Info-Homepage zu Atomrisiken sind sicher NICHT die richtigen Antworten auf bröckelnde Reaktoren und zunehmende, bedrohliche Precursor-Störfälle.“ Gericke ist entschlossen im Kampf gegen „diese atomare Bedrohung vor unserer Haustür“ und will das Thema Montag auf die Agenda des Europaparlaments bringen.

Klartext hatte der Europaabgeordnete schon vor einigen Wochen gesprochen: „Das marode Kernkraftwerk Tihange ist eine atomare Zeitbombe, eine Gefahr auch für hunderttausende Menschen in der deutschen Grenzregion zu Belgien. Dieser Meiler ist unserer Ansicht nach unvereinbar mit den hohen Standards der Richtlinie 2014/87/Euratom für die nukleare Sicherheit“ – so heißt es im gemeinsamen Schreiben an EU-Energiekommissar Arias Cañete gewandt und eine sofortige Schließung der Anlage gefordert. Eine Position, die die FREIEN WÄHLER angesichts der zunehmenden Zahl sogenannter Precursor-Fälle und der nun erfolgten Verteilung von 45 Millionen Jodtabletten in fast scharfem Ton wiederholen: „Es ist zwei vor zwölf! Zeit zu handeln!“

Und wenn Belgien selbst das nicht tue, müssten eben der betroffene Nachbar Deutschland und die europäische Aufsicht „Druck machen: Im Falle eines maroden Atomkraftwerks darf es kein ‚ça va – passt schon‘ geben. Kein Beschwichtigen und auch keine Kopf-in-den-Sand-Politik. Nachsicht mit der Zögerlichkeit der belgischen Regierung kann zehntausenden das Leben kosten“, so Gerickes Appell.

Genau den möchte er am Montag auch ins Straßburger Plenum tragen: „Jod-Placebos sind für mich keine Lösung. Ich will, dass wir das offen ansprechen und ein Abschalten dieser atomaren Bruchbude vor unserer Haustür fordern. Ich will, dass wir das auch im Rat besprechen und – wo nötig – Belgien bei der Stabilisierung seiner Energieversorgung nach einem Abschalten unterstützen. Angst vor einem Black-out darf nicht das Tor zu einem Super-GAU sein“, so der Umweltpolitiker heute am Rande der Ausschusssitzungen in Brüssel.